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 Ξ Statement zum Thema "Amateure und Laien"

Pressespiegel

"Beziehungskisten" ('95) / "Kikerikiste" ('96) / "Gewalt" ('97) / Interview 1999 /
Vorberichte zu "Mobbing" / "Mobbing" (2000) / "Der perfekte Mann" (2001) /
"Das Phoyer der Oper" (2003) / "Fun - Mord aus Spaß" (2003) /
"Zwei um die Dreißig" (2003) / "Stalking" (2004) / "Das perfekte Paar" (2004) /
"Hensel und Grätel verWirrten sich im Wald" (2004)




"Beziehungskisten"

Der Remscheider Generalanzeiger schreibt:

Publikum hilft beim Ehekrieg

(ulk). Es gibt Weisheiten, die auf einer Briefmarke Platz haben. So etwa die, daß leichte Eifersucht die abflauende Liebe wieder auflodern lassen kann. Goethes Schäferspiel "Die Laune des Verliebten" hält sich an diese Miniaturmaße und eignet sich für das Lenneper Rotationstheater ausgezeichnet als Vorspeise für einen langen Theaterabend unter dem Titel "Beziehungskisten". Als Hauptgang bietet das hauseigene Ensemble Dario Fos "Offene Zweierbeziehung" von 1983.

Beide Stücke widmen sich mit den Mitteln ihrer Zeit den Themen Liebe und Eifersucht. Darin liegt der Reiz des Abends. Goethe indessen schafft es, innere und äußere Konflikte zwischen Liebespaaren brennpunktartig zu fixieren, spart dadurch Zeit, ohne an Aussageintensität und Spannung zu verlieren. Eigentlich ist nach seinem Dramolet bereits alles gesagt. Was dann mit den zeitgenössischen Worten Fos folgt, ist oft mehr Klamotte als feinsinnige Beobachtung. Die Regie (Klaus-G. Hendl) hätte kürzen können.
Der ausgezeichneten Schauspielleistung der Protagonisten Holger Heise und (noch souveräner) Angela Wagner-Dönges hätte das nicht geschadet. Sie liefern sich auf der Bühne, vor allem aber mit lebhafter Publikumsunterstützung, einen heißen Ehekrieg. Die pantomimischen Nebenrollen sorgen zudem für ein lebhaftes Sittengemälde aus westlichen Wohnzimmern, die sich der offenen Zweierbeziehung verschrieben haben.


Sicherheit im ungewohnten Versmaß


Für die geschmackvolle Vorspeise nach Goethe-Rezeptur sorgen Tanja Lewandowksi (Egle), Ivonne Ozog (Amine), Guido Däweritz (Lamon) und Christian Jerichow als Eridon. Vielleicht ist Eridons Haltung ein wenig zu nachlässig fürs frühe 19. Jahrhundert. Die beiden Damen indes fügen sich ins stürmisch drängende Frauenbild des frühen Goethe. Ihr Versmaß beherrschten die Akteure mit einer an Alltagssprache erinnernden Selbstverständlichkeit.

Die Bergische Morgenpost Remscheid schreibt:

Rotationstheater* bot brillante sowie
interessante "Doppel-Aufführung"

(*Anm. d. Red.: Die "Neue Bühne Remscheid" hieß zu dieser Zeit noch "Ensemble des Rotationstheaters")


Von Michael Möller
Eine dreifache Premiere stand am Mittwochabend im Rotationstheater auf dem Programm. Mit dem Stück "Beziehungskisten" präsentierte das neu gegründete Ensemble des Rotationstheaters sein Erstlingswerk unter dem Regiedebüt von Klaus-G. Hendl. In zwei Stunden entwickelten sich vor vollem Haus Liebe, Eifersucht, Seitensprünge, Happy End und dramatischer Abschluß einer Beziehung.
© 1995 BM Hans Dörner

BM-Foto: Michael Möller

Aus der Sicht Goethes

Das Besondere an der Aufführung lag an der Kombination zweier unterschiedlicher Stücke zum selben Thema: Liebe und Eifersucht. Der erste Teil schildert die Thematik aus der Sicht Johann Wolfgang Goethes im Jahr 1768. "Die Laune des Verliebten" stellte durch seine Abfassung in Reimform und dem nicht einfachen Sprachstil hohe Ansprüche an die Darsteller dieses Teils. Nicht zu beneiden waren Ivonne Ozog als Amine, Tanja Lewandowski als Egle, Christian Jerichow als Eridon und Guido Däweritz als Lamon, die Goethes Botschaft über den "Goldenen Käfig" der Liebe, Eifersucht und Vertrauen eindrucksvoll darstellten. Ein Stück Goethes, das während seiner Studentenzeit im Sinne der Aufklärung entstanden ist, das die autonome menschliche Vernunft und die Toleranz dem Mitmenschen gegenüber auch auf den Bereich der Liebe ausdehnt. 30 spannende, nicht einfache Minuten, schauspielerisch gut herübergebracht.




BM-Foto: Michael Möller


"200 Jahre und sechs Stunden später" setzte der zweite Teil mit dem Stück "Offene Zweierbeziehung" von Dario Fo und Franca Rame ein. Ein Stück, das durch die tragikomische Handlung, in erster Linie aber durch die hervorragende schauspielerische Leistung von Angela Wagner-Dönges als Antonia Albrecht und Holger Heise als ihr Mann Dieter begeisterte. Der Versuch, die eingefahrene Eheschiene zu verlassen und durch eine offene Zweierbeziehung zu ersetzen, scheitert kläglich.
Für "ihn" die Legitimation, sein Glück mit/bei anderen Vertreterinnen des weiblichen Geschlechts zu suchen, frei nach Ephraim Kishon "Nur Frauen sollten heiraten". Für "sie" ein Zustand, der sie verzweifeln läßt, sie zu Selbstmordversuchen treibt, von denen er sie immer wieder abhält. Schließlich entdeckt auch "sie" eine männliche Alternative zu "ihm". Für ihren Mann eine unmögliche Situation, da für "ihn" die Ehe eher ein besitzanzeigendes Fürwort ist als eine Gemeinsamkeit.

Hervorragende Inszenierung

In spritzigen, teilweise tiefgründigen Dialogen, in denen auch vor den üblichen Klischees nicht zurückgeschreckt wird, zeigte sich ein offener Grabenkrieg, keine offene Zweierbeziehung. Man kann guten Gewissens feststellen, daß Hendl und seinem Ensemble eine hervorragende Inszenierung zum Thema Liebe und Eifersucht gelungen ist. Neben der gelungenen Auswahl der gegensätzlichen Stücke, die den Reiz der Aufführung bildeten, war es die gute Wahl der Darsteller, die dieses Stück zum Genuß für Auge und Ohr werden ließ.




"Kikerikiste"

Die Bergische Morgenpost Remscheid schreibt:

Wundersames Kikeriki um eine Kiste

Mit lautem "Kikeriki" öffnete sich der Vorhang, und zwei Kisten wurden sichtbar, in denen zwei große Kinder auftauchten: Kümmel und Bartholomäus. Und genau diese beiden "Kinder" und ihre Kisten standen am Sonntag im Mittelpunkt des Geschehens. Die Premiere der "Kikerikiste" fand im Rahmen der Kinder- und Jugendkulturtage im Jugendzentrum "Die Welle" in Lennep statt. Inszeniert vom Kindertheater "Die Maulwürfe" der NEUEN BÜHNE REMSCHEID, schlug dieses Stück um Freundschaft, Neid, Vertragen, Streiten und Zusammenhalten große wie kleine Zuschauer in seinen Bann.


Spannung
Mucksmäuschenstill war es im Innenraum des Jugendzentrums, als Kümmel und Bartholomäus ihr Gerangel um die schönere Kiste austrugen. Gebannt schaute man zu, wie der dicke Bartholomäus den ein wenig naiven Kümmel immer wieder reinlegte, bis Kümmel den Spieß umdrehen konnte und Bartholomäus der Leidtragende war. Aber immer wieder rauften sich die beiden zusammen.
Das ausgeglichene Hin und Her von Ärgern und Buhlen wird jäh unterbrochen, als der Musikmarschierer auftaucht. Beide möchten es dem
© BM Michael Möller Musikmarschierer gleichtun und mit der Pauke umherwandern. Diese Machtposition macht sich der Marschierer zu Nutze und treibt nun systematisch einen Keil zwischen die beiden Freunde, darauf erpicht, sich die beiden Kisten unter den Nagel zu reißen. Schließlich schafft er es auch. Erst da bemerken die beiden. wie sie betrogen worden sind. Wundersamer Weise kommen sie zu einer neuen Kiste. Nach einem kleinen Geplänkel einigen sich die beiden, die Kiste gemeinsam zu bewohnen. Nach den Erfahrungen kann auch der Musikmarschierer die beiden nicht mehr auseinanderbringen. Eine schöne Geschichte, die ohne den pädagogischen Zeigefinger auskommt. Schön gespielt von Philipp Reinshagen (Bartholomäus), Barbara Brucks (Kümmel) und Momo Kösling (Musikmarschierer), pädagogisch geschickt in Szene gesetzt von Klaus-G. Hendl. (Bericht: Michael Möller)





Gewalt

Michael Möller (Bergische Morgenpost Remscheid) schreibt:

In vino violentia - wenn die Gewalt den Kopf verläßt

Die NEUE BÜHNE REMSCHEID hat mit dem Stück "Gewalt" gezeigt, daß auch die ernste Thematik zu ihrem Metier gehört. Ein ausverkauftes Haus und eine positive Resonanz beim Publikum unterstrich den allgemeinen Eindruck in den beiden Vorstellungen am Wochenende. Die Bearbeitung des Paul-Kipp-Stücks durch Regisseur und Hauptdarsteller Klaus-G. Hendl war keine Abwertung, sondern eine Transformation auf eine andere niveaugleiche Ebene. Aus der offenen wurde eine stille, unterschwellige, aber nicht minder gefährliche Gewalt.
Bemerkenswert die Neuentdeckung für die Bühnenwelt: Britta Fitzke, die in der Rolle der Angelina Manheimer brillierte. Mit Erfahrung in der Darstellung, daher souverän und semiprofessionell: Ivonne Ozog als Diplom-Psychologin Hildegard Pirchow. Sein Debüt als Schauspieler für die NEUE BÜHNE REMSCHEID gab in diesem Stück Klaus-G. Hendl, der damit bewies, daß er nicht nur weiß, ein Stück zu inszenieren, sondern es auch selbst spielen kann.

Unter die Haut

Somit lag es auch an der schauspielerischen Leistung der Protagonisten, daß das Stück unter die Haut ging. Es zeigt die Geschichte eines Ehepaars, das durch die Wirkung des Alkohols in den Teufelskreis von Gewalt, Selbstvorwürfen, "Erleichterungsschluck", gegenseitigen Vorwürfen, "Kampfschluck", Vergewaltigung und Mord geraten. In seiner Bearbeitung hat Hendl die offene Gewalt in Zynismus umgesetzt. Die einzige offene Gewaltszene geschieht hinter dem Vorhang; der Mordanschlag auf die vermeintlich untreue Ehefrau und einzige Augenzeugin für die Alkoholkarriere von Dr. Manheimer findet sich als Radiomeldung wieder.

Alkoholkarriere

Der Mord erscheint als die Spitze der Gewaltspirale, in der sich das Ehepaar Manheimer befindet. Für Angelina Manheimer sind die Probleme "eigentlich" so oder so zu bewältigen, denn "eigentlich" sind ihre Entscheidungen gar nicht von ihr selbst getroffen worden; "eigentlich" war es das Kind, das zur Heirat mit Adolf geführt hat, "eigentlich" war es Adolf, der sie zum Psychiater geschickt hat. Für beide ist es "eigentlich" der Alkohol, der scheinbar Rettungsring und Abgrund bedeutet, wie ein Damoklesschwert über beiden hängt und schließlich fällt.

Für den Zuschauer ein Stück, das eben durch die verbalisierte und gedachte Gewalt um so ansprechender ist, da sich kaum jemand mit den Gewaltszenen identifizieren würde, Gewaltgedanken aber nicht verleugnen kann.




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Interview

Neue Bühne Remscheid segelt auf Erfolgskurs


Von Michael Möller
Mit der Neuen Bühne Remscheid hat Regisseur Klaus G. Hendl nicht nur eine Lücke im Remscheider Kulturleben entdeckt, sondern diese auch für Amateurschauspieler aufgehalten. Um die acht Protagonisten tummeln sich in der Regel auf den Brettern, die auch für die Remscheider Amateure die Welt bedeuten. Hier hat Hendl bedingt durch das vorrangige Privatleben seiner Mitspieler mit einer hohen Fluktuation zu kämpfen. Doch der harte Kern hält den Proben- und Spielbetrieb aufrecht. So gehört Jan zum "inneren Kreis", der im Laufe der vergangenen vier Jahre immer wieder zu der Gruppe heimgekehrt ist. Hannelore, Petra und Frank sind im Laufe der vergangenen Jahre hinzu gestoßen. Antje macht ihr erstes Jahr fast voll, Carla steht seit Kurzem ihre Frau auf der Bühne.

So hat Personalmangel in der Vergangenheit die Arbeit an Stücken immer wieder verzögert. "Wir wollen kein 'billiges' Boulevard - Theater machen. Die Stücke, die wir suchen, müssen zum Ensemble passen", so Hendl. Und wenn ein Stück gefällt, aber für die Zahl der Schauspielbegeisterten zu wenige Rollen hat, greift der Regisseur und Gründer der Neuen Bühne Remscheid einfach in die Tastatur und schreibt die Vorlagen um. Die Besetzung wird soweit erweitert, daß auch jeder seinen Part an der Gesamtproduktion hat.

Für die kommende Spielzeit hat die Neue Bühne Remscheid einen Gastspielvertrag für das "theater im studio" in Remscheid bekommen. In Arbeit ist das Stück "Mobbing", das aktuell die Situation in deutschen Betrieben aufgreift. Eine mehrmonatige Probenarbeit findet hiermit ihren Abschluß. Anders als das von dem Amateurtheater erfolgreich gezeigte Autorenstück "Gewalt", wird das Thema als bitterböse Satire gezeigt. "Wir versuchen natürlich, den Remscheider Publikumsgeschmack mit in die Inszenierung einzubinden. Allzu Ernstes kommt nicht an. Daher würzen wir mit Humor. Aus dem Stück wird aber keine Schenkelklatschkomödie; die haben wir allerdings im Hinterkopf. Sie könnte auch einmal bei uns zu sehen sein", erläutert der "Scheff". Das Ziel bleibt Theater mit Niveau. Und hier wird daran gearbeitet. Ein hohes Niveau ist jetzt schon spürbar, ist Hendl aber nicht genug, denn auch er pflegt den Grundsatz: "Stagnation ist Rückschritt". Daß die Ausbildung an dieser Bühne einen Amateur auch weiter bringen kann als "nur" auf Kleinkunst- oder Amateurbühnen haben zwei Ehemalige bewiesen, die es bis in den "Tatort" der ARD geschafft haben.

Das höchste Ziel? "Natürlich der Oscar für die beste Regie", erklärt Hendl augenzwinkernd. Doch ernsthaft fügt er hinzu und wird von seiner Truppe durch Kopfnicken bestärkt, wäre das Spiel in einem großen Haus und der Kommentar von Zuschauern und Presse "Die sind gut!" ein anzustrebendes, realisierbares Ziel. Die Vergangenheit hat gezeigt, daß dieses Ziel für die Neue Bühne Remscheid kein Wunschtraum bleiben muß, wenn sie ihren eingeschlagenen Weg so konsequent weiter geht.




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"COOLIBRI" schreibt im November:

++++Kugelschreibervergesser und Kollegenärgerer aufgepaßt, denn jetzt wird es ernst! Die Neue Bühne Remscheid, die mit "Beziehungskisten", "Kikerikiste" und "Gewalt" bereits Erfolge feierte, schürt in der bitterbösen Satire "Mobbing" alle Vorurteile über die ach so heile Berufswelt. Regisseur Klaus-G. Hendl hat das Stück neu bearbeitet, Premiere ist am 16. 11. um 20 Uhr im WTT zu Remscheid. Bei Nichterscheinen gibt's 'nen Eintrag in die Personalakte! (aw,anja,JD,nc)




Bergische Morgenpost vom 16. 9. 2000

Mobbing und das boshafte Grinsen

Die Neue Bühne Remscheid probt mit neuen Darstellern ein neues Stück

Von Michael Möller

Es fängt in der Chefetage an und setzt sich bis in den Keller fort. Wie eine Lawine rollt es durch den Betrieb, und schließlich zieht dann doch jemand die "Karo-Sieben". "Mobbing", ein aktuelles Thema, das vom Ensemble der "Neuen Bühne Remscheid" auf die Bühne des Westdeutschen Tourneetheaters, WTT, gebracht werden wird. Am 16. November ist um 20 Uhr Premiere an der Bismarckstraße.


Keine Schenkelklopfkomödie


Nach der Neubearbeitung durch Regisseur Klaus-G. Hendl wurde aus dem Schauspiel eine bitterböse Satire. "Es ist dabei nicht zu einer Schenkelklopfkomödie mutiert. Ein boshaftes Grinsen wird aber auf vielen Gesichtern zu sehen sein", meint Hendl. Für Carla Heinen, Frank Lepperhoff, Jan Rödig, Ahmet Karsligil, Hannelore Marquard, Antje Krüger und Petra Kipp hat Hendl als Leiter und Regisseur der "Neuen Bühne Remscheid" das Stück so weit umgeschrieben, daß Rollen für alle Akteure des Amateurtheaters entstanden. Das Ergebnis von drei Monaten intensivem Proben wird nun Mitte November zu sehen sein.

1999 hatte Hendl die Vorlage in die Hände bekommen. "Der Charakter hat sich total verändert. Ich habe mich dabei an den Geschmack des Publikums angelehnt", so Hendl. Die Neue Bühne Remscheid versucht mit diesem Stück, an die Erfolge der vergangenen Jahre anzuknüpfen. Die "Beziehungskisten" lieferten siebenmal ein volles Haus. Auch das Stück für kleine und große Kinder, die "Kikerikiste", fand seine Zuschauer. Mit "Gewalt" zeigten die Amateurschauspieler, daß sie auch ein Real-Drama umsetzen können. Nach Komödie, Kindertheater und Drama nun eine Satire.

Wie bei Silke Gross und Stefanie Haag, die sich an einem Probenabend beim Ensemble vorstellten, steht bei vielen Mitwirkenden das Bedürfnis im Vordergrund, selbst Theater zu spielen, sich einmal als eine andere Person auf der Bühne zu präsentieren. Das Ensemble bietet ihnen Gelegenheit dazu. Daß sie auf einer Bühne wie der des WTT auftreten darf, ist für die Truppe noch mal ein besonderer Ansporn: "Wir sind froh, den Gastspielvertrag bekommen zu haben!" gestand Hendl.




Büro-Intrigen ohne Ende

Die Neue Bühne Remscheid ist wieder aktiv


Im November hat die Satire "Mobbing" Premiere.
Weitere Projekte sind geplant.

Von Sabine Interthal

Mit einer bitterbösen Satire wollen sie sich wieder in Erinnerung bringen: Nach zweijähriger Pause probt das Ensemble der "Neuen Bühne Remscheid" (NBRS) zur Zeit das Stück "Mobbing", und lädt für November zur Premiere ins "theater im studio" ein. "Ich habe aus dem Schauspiel von Paul Kipp eine Satire mit aktuellem Hintergrund gemacht. Die Leute sollen sich nicht auf die Schenkel klopfen vor Freude, aber sie werden schmunzeln", ist Regisseur Klaus-G. Hendl überzeugt.


Ensemble soll größer werden


Gemobbt wird in einer Firma, die Personal abbauen und die Mitarbeiter zur Kündigung animieren will. "Intrigen ohne Ende" verspricht der Spielleiter, der sein Ensemble gerne vergrößern möchte und dringend weitere Amateur-Schauspieler sucht: "Zum Schauspielunterricht und den Proben treffen wir uns jeden Donnerstagabend im Haus Lindenhof. Vorkenntnisse sind nicht nötig, der Spaß am Theaterspielen und ausreichende Deutschkenntnisse reichen, um bei uns mitzumachen."
Das kann auch Carla Heinen bestätigen, die vor rund einem Jahr zur "Neuen Bühne" kam: "Ich hatte schon immer Spaß daran, mich zu verkleiden, aber als ich das erste Mal auf der Bühne stand, wußte ich nicht wohin mit meinen Armen", erinnert sie sich lächelnd. Und daß sie - als höflicher Mensch - in der Satire ihre Mitspieler nicht angucken darf, das macht ihr auch jetzt noch Probleme.
Etwas mehr Erfahrung hat Antje Krüger mitgebracht, die schon in der Schule bei Theaterstücken dabei war. Sie steht für ihr Leben gern vor dem Publikum: "Das lacht und lebt - da fliegst du immer höher", freut sie sich schon auf die Vorstellung. Vier Frauen und vier Männer zählen im Moment zum Ensemble. Wenn es nach den Wünschen von Hendl geht, sollen es einmal 20 bis 25 werden.


(Es sind aktuell 18 Frauen und 12 Männer, aber es dürfen noch viele dazukommen! - Anm. der Red.)






Die "Neue Bühne Remscheid" hätte ein besseres Stück als Paul Kipps "Mobbing" verdient

Zwischen den Klischees steckengeblieben

Wenn Spielfreude und Engagement eines Ensembles einer schwachen Vorlage zu Glanz verhelfen könnten, wäre dem "Mobbing" genannten Drama von Paul Kipp ein Bühnenerfolg beschert worden. So blieb das Stück - mit dem Anspruch der satirischen Überarbeitung von Klaus-G. Hendl - zwischen den Klischees stecken.
Den Auftakt des endlosen Reigens von Zwiegesprächen machen Carla Heinen und Frank Lepperhoff als Serafina von Miltwitz und Martin Drugmus. Sie als Aufsichtsratsvorsitzende macht ihm, dem Vorstandsvorsitzenden, klar, daß er Personal reduzieren soll, ohne daß dies den Etat des Unternehmens belaste. Hier wäre Carla Heinen in der zickigen Rolle gar nicht so schlecht, wie auch Jan Rödig als schleimiger Yuppie-Personalchef Mühlenwirth durchaus glaubhaft wirkt, wenn denn die Dialoge nicht so flach wären. "Die Zahl muß runter" und "Was kostet ihr Betriebsrat?" sind die Fragen, die angeblich die Führungsetage bewegen.

Tapferes Spiel

Wenn dann der erste Schritt zum Titel "Mobbing" die Einführung von Klogebühren ist, dann waren nur die ursprünglichen Entdecker der Weisheit von "Geld stinkt nicht" originell. Bis es sich aber so richtig mobbt auf der Studiobühne, erklärt Martin Drugmus Robert Mühlenwirth, wo's lang geht, der wiederum Manuela Sprenger (Antje Krüger). Pause ist dann erst mal, nachdem die wechselnden Duos gezeigt haben, daß fast jeder Täter auch ein Opfer ist. Die gut Fee als Betriebsratsvorsitzende Inga Stumpf spielt dann Petra Kipp, die bei ihren temperamentvollen Ausbrüchen in Sachen Männer die Chance wahrnimmt, ihr schauspielerisches Talent zu beweisen. So umwerfend wie in ihrem Gespräch mit dem Personalchef und Ex-Lover darf sie jedoch nur selten sein. Als Betriebsratsvorsitzende widersetzt sie sich stattdessen tapfer allen Bestechungsversuchen, versagt sich lahmen Liebesschwüren und am Ende der Ränkespiele ist sie nach dem ebenfalls gemobbten Generaldirektor die einzige, die freiwillig kündigt. Ach, hätte man von Schiller doch mehr geklaut als den Ausspruch "Ich weiß den Mann von seinem Auftrag wohl zu unterscheiden". Anstelle von scharfsinnigen Dialogen gefällt sich das Epos in einer Ansammlung von Sch-Ausdrücken in jeder Szene - mit Ar davor oder vier Buchstaben dahinter. Das entspricht zwar dem Arbeitsalltag, hebt das Niveau der Aufführung aber nicht weiter an



Ein anderes Stück verdient



Schade um den Versuch des Dialogs, den die staubwedelnde Putzfrau mit dem Publikum aufnimmt, schade um die originellen kleinen Blitzlichter, die die Aufführung auch hatte. Das Theatercollegium "Neue Bühne Remscheid" hätte eine besseres Stück verdient. Hoffentlich beim nächsten Mal.

Antje Dahlhaus

Remscheider General-Anzeiger

Nach unten treten, nach oben kuschen

Mit Paul Kipps Satire "Mobbing" um Macht und Geld bot die Neue Bühne Remscheid einen vergnüglichen Theaterabend.

Von Stefanie Schreiber

Viel braucht es nicht, Paul Kipps Drama "Mobbing" in Szene zu setzen. Ein Schreibtisch, ein paar Stühle und ein Computer bestimmen das Bühnenbild in dem Spiel um Macht und Geld. Am Donnerstag hatte das Stück in einer Neubearbeitung von Klaus-G. Hendl im "theater im studio" Premiere.
Der Hauptaktionärin (Carla Heinen) sind die Personalkosten zu hoch. Sie will Leute loswerden, und das möglichst ohne Konsequenzen für das Unternehmen. "Bringen Sie die Leute dazu, von selbst zu kündigen", lautet die Anweisung an ihren Generaldirektor (Frank Lepperhoff). Der kennt die Spielregeln: Nach unten treten, nach oben kuschen. Weil das bisher noch immer funktioniert hat, gibt er die Weisung pfichtschuldigst an seinen Personalchef (Jan Rödig) weiter.

Die Frage nach der sozialen Verantwortung stellt sich den beiden nur kurz, sie beugen sich der Macht des Geldes.


Das Blatt wendet sich


Mobbing wird zum probaten Mittel, wird systematisch als Druckmittel eingesetzt, um sich "überflüssiger" Mitarbeiter elegant und ohne unnötige Ausgaben zu entledigen. Doch man ahnt es schon: Lange geht die Sache nicht gut. Die Mitarbeiter sind frustriert, lehnen sich auf, im Unternehmen kriselt es. Das Blatt beginnt sich zu wenden. Und es zeigt sich: Mobbing funktioniert auch von unten nach oben. Generaldirektor Drugmus, vermeintlich als Befehlsempfänger enttarnt, muß gehen, die Mitarbeiter dürfen bleiben. Nur die Betriebsratsvorsitzende will dieses Spielchen nicht mehr mitmachen. Sie verläßt das Unternehmen - freiwillig.

Wenn auch stellenweise pathetisch, bot die Satire um Macht und Geld einen vergnüglichen Theaterabend, bei dem die Schauspieler in ihren Rollen überzeugten. Besonders gelingt dies Carla Heinen als knallharte Geschäftsfrau. Petra Kipp nimmt man die Rolle der kämpferischen Betriebsratsvorsitzenden, die sich mit drastischen Worten durchzusetzen weiß, ebenfalls gerne ab. Beeindruckend engagiert setzt sich Antje Krüger als Werksleiterin ein. Nur Jan Rödig in der Rolle des Personalchefs wirkte etwas hölzern.

Foto: Michael Sieber



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Der perfekte Mann (Bergische Morgenpost)

Neue Bühne Remscheid feiert Premiere in der Klosterkirche:
"Der perfekte Mann"

Er muß spülen und treu sein

Von Stefanie Bona


Gibt es den perfekten Mann? Den, der freiwillig spült, immer zuvorkommend, liebenswert, höflich, aber natürlich auch stark, mutig, clever und selbstverständlich treu ist? Am Dienstagabend stellte sich die Neue Bühne Remscheid dieser Frage. Die Premiere ihres Stückes "Der perfekte Mann" von Jürgen Baumgarten garantierte eine rappelvolle Klosterkirche und ließ das weibliche wie männliche Publikum lachen, bis sich die Balken bogen. Das Amateurensemble setzte die Komödie charmant und mit viel Esprit in Szene und präsentierte sich ausgesprochen textsicher.


Liebhaber Nr. 1 bis 4


Angela (Silke Gross), die toughe Karrierefrau, diskutiert im Beisein ihres biederen Buchhalters (Patrick Interthal) mit ihren Mitarbeiterinnen ein gewagtes Experiment: Ist es möglich, Untermieter Hubert Schlüter (Klaus-G. Hendl) mit den Waffen einer Frau zum vollkommenen Majordomus zu machen, ihn aber ganz nebenbei auch die Rolle des Liebhabers in ihrer ganzen Vollendung spielen zu lassen? Fanny (Carla Heinen), die ihre Verflossenen mittlerweile nur noch mit Nr. 1 bis 4 tituliert, und Barbara (Sabine Gross), die sowieso immer alles falsch versteht, sind skeptisch.


Das weibliche Business-Trio, das von der Notwendigkeit des männlichen Daseins zwar überzeugt, aber des konfliktfreien Zusammenlebens der beiden Geschlechter hingegen gar nicht so gewiß ist, wagt den Versuch als "Hoffnungsschimmer für alle geplagten Frauen". Somit gerät der nette Hubert, schüchtern und unbeholfen, in die Fänge seiner Vermieterin. Diese hat ganz unerwartet mit seiner Experimentierfreude zu kämpfen, die sich allerdings ausschließlich auf Demonstrationen seines Chemiebaukastens bezieht: Gähnende Langeweile, wo doch Verführung angesagt war.


Der flinke "Putzmann" Theo (Thomas Huschban) und Angelas Mutter Maria (Christel Giesen) machen mit gutgemeinten Ratschlägen das Chaos perfekt. Wie doppeldeutig doch die Schilderung eines einzigen Experimentes sein kann: Verwirrungen, Verstrickungen und Mißverständisse finden ihren Höhepunkt in der Explosion chemischer Verbindungen, die mit lautem Knall das ungleiche Paar dann doch zusammenbringt.


Mit viel Sinn für Situationskomik und einer gekonnten Ausarbeitung der Charaktere boten die Ensemblemitglieder unter der Regie von Klaus G. Hendl zwei Stunden bester Unterhaltung. Allen voran Christel Giesen, theatererfahrenes Mitgleid der Lüttringhauser Volksbühne, als sprücheklopfende besserwisserische Schwiegermutter in spe. Bemerkenswert auch, daß es dem kompletten Ensemble gelang, das turbulente Lustspiel in keiner Szene zur bloßen Klamotte werden zu lassen. Eine vielbeklatschte, gelungene Premiere!




Männer formbar (Remscheider Generalanzeiger)

Neue Bühne Remscheid



Von Christina Römer


Männer! Das kennt doch jede Frau: "Entweder sind sie zu hart oder zu weich, zu dumm oder neunmalklug." Die Frage stellt sich unweigerlich: "Der perfekte Mann" - gibt's den überhaupt? Die "Neue Bühne Remscheid" begab sich am Dienstag auf eine längst überfällige Suche nach der seltenen Spezies in der Klosterkirche.


Die Komödie von Jürgen Baumgarten dreht altmodische Geschlechtsverhältnisse einfach um, treibt die Emanzipation auf die Spitze. Denn hier haben die Damen das Sagen, die Herren zu schweigen. Die Scheuen, die Formlosen, die Ungelenken - diese Männer können nichts und dienen nur noch als Witzfiguren. Doch ohne Mann will Frau trotzdem nicht sein.


Angela Windt (Silke Gross) ist Leiterin einer Werbeagentur, alleinstehend. Als moderne Frau nimmt sie ihr Schicksal einfach selbst in die Hand. Objekt der Hoffnung ist Untermieter Hubert, gespielt von Regisseur Klaus-G. Hendl, ein völlig farb- und charakterloses Exemplar. "Wie ein Lehmklumpen, formbar", beschreibt Angela ihn. Mit ihren beiden Kolleginnen heckt sie ein Experiment aus: Wird, bei guter Erziehung, aus dem formlosen ein perfekter Mann?


Das Stück setzt die Karrierefrauen in Szene, bei denen der Job ohne Probleme zu bewältigen ist, alle psychische Energie der Liebessuche gewidmet werden kann. Eine Erfolgswelle, auf der Charaktere wie Ally McBeal, Bridget Jones oder die Damen der neuen TV-Serie "Sex and the City" weit oben schwimmen. Das ist nicht immer sehr tiefgründig, aber unterhaltsam. Auf der Bühne funktioniert diese Umsetzung ebenso gut.


Die Klosterkirche ist rappelvoll, das Publikum grölt vor Freude. Die Schauspieler können sich mit den überzeichneten Charakteren gründlich austoben. Doch wie endet das Experiment? Auf jeden Fall mit einem Knall.



Das Phoyer der Oper (Remscheider General-Anzeiger)

Köstliche Krimi-Komödie

Viel Platz für Situationskomik: Die "Neue Bühne Remscheid" feierte erfolgreiche Premiere mit "Das Phoyer der Oper"




Von Beate Lange


Nein, schwarz ist diese Kriminalkomödie wirklich nicht, denn sie tut keinem weh, stammt nicht von einem Briten, produziert viel Spaß und kommt am Ende gar ohne Leiche aus. Dunkelgrau ist also die passendere Bezeichnung für Ulrich Engelmanns Boulevardstück "Das Phoyer der Oper". Premiere damit hatte die Neue Bühne Remscheid jetzt in der ausverkauften Klosterkirche.





Unter der professionellen Leitung von Klaus-G. Hendl konnte das Amateurtheater so richtig aus dem Vollen schöpfen: Das locker geschriebene Script ließ viel Platz für Situationskomik, die Pointen saßen und der "Running Gag" in Form von Miss Debbie sorgte für Permanentbelustigung beim Publikum. Worum ging's? Die feine Theatergesellschaft trifft sich im Foyer der Oper, alle sind sich nicht so richtig grün, doch der mit Abstand Unbeliebteste ist der Verleger Henry Smallcattle, der auf seinem erfolgreichen Weg etliche Leichen in Form von abgelegten Ehefrauen zurückgelassen hat.




Paradoxerweise ist er beim Publikum zunächst der Favorit; doch bald ist's vorbei mit lustig, denn ein Schuß und nachfolgender Stromausfall kündigen einen Mord an. Eben jenen Schwerenöter hat's getroffen und nun stellt sich die Frage nach dem Mörder wie in diversen Stoffen des Genres von Agathe Christie bis Edgar Wallace. Die Auflösung ist genial (und wird natürlich nicht verraten). Ein tolles Ensemble spielte in Hochform auf, wobei die Damen den Herren fast den Rang abliefen. Die Klatschtanten Silke Gross und Renate Barucha trumpften famos auf, Marion Niemeyer bewies außerordentliches komödiantisches Talent, Anja Kobus, erst 15 Jahre jung, spielte ihren Part ganz toll. Und Stephanie Hoffmann als Miss Debbie ist eine Klasse für sich, hinreißend übertrieben und umwerfend komisch.



Sebastian Stein, Adolfo Casas, Frank Lepperhoff und Mario F. Lester gaben ihre Typen jeweils überzeugend, und die ältere Dame (Christel Kümpel), die den ganzen Abend mit Notizblock und Stift um die Szenerie strich, war nicht von der Presse, sondern Agathe Christie herself. Verdiente, nicht enden wollende Ovationen für tolle Regie und großartige Bühnenleistung.


Pressefoto (SW): Herbert Draheim; Farbfotos: Sina Wachenfeld



Das Phoyer der Oper (Bergische Morgenpost)

Agatha und die spitzen Lästerzungen


Neue Bühne Remscheid feierte mit dem "Phoyer der Oper" Premiere

Von Stefanie Bona


Licht aus, Spot an für die Royal Opera. Wer sehen und gesehen werden will, trifft sich schmuckbehangen und edel gewandet im Opern-Foyer. Dort wird getuschelt und getratscht, denunziert und beleidigt, was das Zeug hält. So lange jedenfalls, bis der Pistolenschuß die Gesellschaft aus ihrem Plauderton reißt.



Mit der "dunkelgrauen" Komödie "Das Phoyer der Oper" von Ulrich Engelmann begab sich die Neue Bühne Remscheid auf Agatha Christies Spuren und feierte am Donnerstagabend in der Lenneper Klosterkirche eine viel beklatschte, gelungene Premiere. Mit Charme und Esprit setzten die Amateur-Schauspieler unter Leitung von Klaus-G. Hendl die turbulent-komische Geschichte um den eitlen Verleger Henry Smallcattle (Sebastian Stein) in Szene.



Ein Motiv für den Mord am durchtriebenen Medienzar hat nahezu jeder der Opernbesucher. Gattin Florence (Marion Niemeyer) hat eine Liaison mit Politiker Tony Porterfield (Mario F. Lester), der mit Cousine Betty (Anja Kobus) im Foyer erscheint. Die junge Dame im Super-Mini, einst durch eine eindeutig zweideutige Fotomontage im Blatt des Verlegers brüskiert, macht im Verhör durch Ex-Chief-Inspector Sir Peter (Frank Lepperhoff) keinen Hehl aus ihrem Groll gegenüber dem Mordopfer. Reporter Jack O'Neil (Adolfo Casas) wurde durch Smallcattles Machenschaften um den Job gebracht und seine Verflossenen (herrlich geschwätzig Renate Barucha und Silke Gross) stehen dem Weiberhelden per se in zorniger Ablehnung gegenüber.



Einzig Debbie, die von Stephanie Hoffmann launig interpretierte kellnernde Opern-Perle, scheint keine Ambitionen auf ein schnelles Ende des unliebsamen Zeitungsmannes gehabt zu haben. Obwohl sie Sinn fürs Praktische beweist und den Ermordeten gleich in die Requisite entsorgt: "Beim Theater kann man Leichen immer gut gebrauchen."



Doch unverhofft kommt oft, die Ereignisse überschlagen sich, der Mord entpuppt sich als Finte, ungeahnte Familienbande werden aufgedeckt und das Tatmotiv wird durch kriminalistischen Spürsinn des abgehalfterten Polizisten frei nach Agatha Christies "Mord im Orientexpress" als Gemeinschaftswerk ausgelegt. Klar, dass da schlußendlich die legendäre Krimi-Autorin, dargestellt von Christel Kümpel, ganz leibhaftig ins Geschehen eingreift.



Wenn die ereignisreiche Handlung mitunter auch ein wenig aberwitzig anmutet, steht sie doch in bester Tradition der engischen Kriminalkomödie. Schräg, skurril, letztendlich aber kurzweilig und originell. Darüber hinaus gehört dem Amateurensemble höchste Anerkennung für sein engagiertes Spiel.



Pressefoto (SW): Herbert Draheim; Farbfotos: Sina Wachenfeld



Fun (Remscheider Generalanzeiger)

Kalte, zerstörte Seelen


Beeindruckend: NEUE BÜHNE REMSCHEID zeigt "Fun - Mord aus Spaß"



Von Daniel Juhr


Sie töten eine unbekannte alte Frau. Einfach so. Zwei Teenager ohne Angst, Reue und Gewissen. "28 mal habe ich zugestochen!" schwärmt Bonnie fasziniert und stellt nach, wie sie sich in Trance gemordet hat. Hillary lächelt voller Anerkennung und entdeckt kichernd, daß das Blut der Toten noch in ihrem Haar klebt.


Sie wollen ausbrechen wie die Frauen im Film "Thelma und Louise", doch sie sind krank und ziellos wie das Psychopathenpaar aus Oliver Stones böser Mediensatire "Natural Born Killers". Mit James Bosleys "Fun - Mord aus Spaß" wagte sich die Neue Bühne Remscheid im Westdeutschen Tourneetheater an einen harten, einen kontroversen Schocker. Zerstörte Kindheit voller Gewalt, erkaltete Seele voller Einsamkeit - Bonnie und Hillary haben nur einander. Und ihre Tat, deren Sinnlosigkeit erst zum Sinnieren herausfordert: Mord als letzte Spaßkonsequenz in einer abgestumpften, leeren Gesellschaft?


Die Intensität, mit der Sina Wachenfeld als Bonnie und Nora Philippeit als Hillary den Sturz der zwei verlorenen Engel zeigen, läßt den Atem stocken. Sie sind unberechenbar und aggressiv, ausgelassen und verträumt, eingeschüchtert und verletzlich, all das innerhalb von Augenblicken.


Hilfe bekommen sie nicht. Sie werden gefunden, gefangen, getrennt. Und fallen in die Hände eines profitgeilen Journalisten (Mario F. Lester), der ihre Tat publizieren will sowie einer Psychologin (Silke Gross), deren wichtigster Patient sie selbst ist.


Durch ihre Verhöre sowie die zahllosen Rückblenden und Zeitsprünge, so wild und ungestüm wie das Wesen der Mörderinnen, fügt sich unter der Klaus-G. Hendls Regie ein erschreckendes Jugendportrait zusammen.







Sina Wachenfeld und Nora Philippeit beeindruckten mit einer differenzierten Darstellung zweier junger Mörderinnen.
Foto: KG Hendl

































Fun (Bergische Morgenpost)

Mörderisches Mädchenpaar


"Fun - Mord aus Spaß": beachtliche Aufführung der Neuen Bühne Remscheid



Von Gisela Schmoeckel


Einen drastischen Empfang bereite die Neue Bühne Remscheid den Besuchern im Westdeutschen Tourneetheater. Am Weg zur Zuschauertreppe mußte man aufpassen, um nicht in eine rote Lache zu treten, die grausig aus einem mit Laken abgedeckten Körper sickerte.


Als das Spiel begann, ging es nur noch sprachlich so mörderisch zu, in mit Vulgaritäten durchsetzten Dialogen, die sich jedoch im Spiel und Sprechen für emotionale Schattierungen öffneten. Die beiden Mädchen Bonnie und Hillary, auf den ersten Blick in nichts von anderen Jugendlichen zu unterscheiden, werden in der Jugend-Untersuchungshaft von einer Psychologin und einem Journalisten zu ihrer grausigen Tat befragt. Warum nur haben sie eine alte Frau, die sie nicht kannten, die nicht unfreundlich zu ihnen war, einfach "aus Spaß" umgebracht? Rückblendenartig setzt die Regie von Klaus-G. Hendl zwischen die Dialoge die erinnerten Bilder der beiden. Mit lautem, mechanischem Abschaltgeräusch werden die einzelnen Szenen durch Intervalle des Bühnendunkels getrennt. Dieser auch für die Augen schmerzhafte Wechsel zwischen Helligkeit und Dunkel kann sich beschleunigen und verlangsamen, erzeugt einen rhythmischen Zwang, der sich zu einer flackernden, choreographisch sehr gut durchgearbeiteten Sequenz steigert, in der die vier Personen, einem absurden Tanz gleich, zu- und auseinandergetrieben werden.


Die Personen des Stückes, Bonnie und Hillary - eine Variation des berühmten Gangsterpaares Bonnie und Clyde -, die ihre eigenen Emotionen nicht zulassende Psychologin (Silke Gross) und der betrügerische Reporter (Mario F. Lester) agieren in einem explosiven Spannungsfeld, das sich im wahnsinnigen Mordrausch der hübschen, kleinen Bonnie entlädt. Sina Wachenfeld spielt diese brutale 14-jährige mit grandioser Inbrunst, voll nervöser Spannung. In der Übermotorik des Körpers zeigt sie die Begeisterung, die Sehnsucht nach Liebe, im Spaß-Rausch getarnt, die Exzesse der Phantasie und die Verlorenheit in einer Welt, die Leben als Fun-Auftrag vermittelt. Überzeugend ist auch Nora Philippeits Darstellung der spröderen, zurückhaltenden Hillary: Das Spiel der beiden, vor allem die Erinnerungsszene des Kennenlernens und Verliebens, erhielten häufig spontanen Szenenapplaus. Eine beachtliche Amateur-Aufführung, die mit viel Sensibilität inhaltliche Klischees nicht aufkommen ließ und in der Sparsamkeit des Bühnenbildes die Menschlichkeit des Unmenschlichen lebendig machte.


Jane lebt gefährlich. Eine Szene aus der jüngsten Produktion der Neuen Bühne Remscheid.
Foto: KG Hendl










































Zwei um die Dreißig (Bergische Morgenpost)

Gnadenlose Göre


Ensemble-Mitglieder der Neuen Bühne Remscheid gaben einen Tucholsky-Abend in der Klosterkirche



Von Michael Möller


"Das ist kein Amateurtheater mehr." Mit dieser Meinung stand am Samstagabend Regisseur Klaus-G. Hendl nicht allein. Stehend dargebotener Applaus bestätigte seine Einschätzung. Stephanie Hoffmann (Gesang und Rezitation), Philipp Reinshagen (Flügel und Rezitation), Christina Blasberg (Gesang) und das Vokalensemble "Bass & Besser" ließen den Tucholsky-Abend im vollbesetzten Minoritensaal der Klosterkirche zu einem Erlebnis werden.





Unter dem Motto "Zwei um die Dreißig" präsentierten die Mitglieder des Ensembles der Neuen Bühne Remscheid Kurt Tucholsky und seine Werke in literarischer und gesanglicher Form. Dabei hatte Hoffmann als Vortragende in den Dreißigern weniger Gewicht auf politische Texte Tucholskys aus den Dreißigern gelegt, als vielmehr das tiefgründig Humorvolle in den Vordergrund gestellt. Dabei spielte "Lottchen Laßmann" als typisch Berliner alleinerziehende Mutter die tragende Rolle von Opfer, Akteurin oder Erzählerin.

 









Aus zehn Tucholsky-Bänden hatte Hoffmann die Texte zusammengesucht. Ein Jahr feilte sie an Stimme, Vortrag und Dialekt. "Das schwierigste war, den Berliner Dialekt konsequent durchzuhalten", gestand sie. Doch schaffte sie diesen Kraftakt scheinbar so mühelos, daß man ihr die Berliner Göre ohne Bedenken abnahm. Gnadenlos bekamen an diesem Abend die Männer ihr Fett weg, wurden Politiker, Liebhaber, eitle Männer vor dem Spiegel oder auch Ärzte erbarmungslos durchleuchtet. Doch auch die "beste Freundin" oder die treue Geliebte spielten bei den Tucholsky-Texten eine Rolle mit viel Wiedererkennungswert fürs Publikum.

Gelungen war neben der Textauswahl und dem exzellenten Vortrag auch die Moderation durch Jan Henrik Thiemann. In kabarettistischer Weise überbrückte er die Pausen und leitete geschickt thematisch auf den folgenden Programmpunkt hin. Nach zwei Zugaben konnte das Ensemble nicht umhin, den stehenden Beifall seines Publikums mit einer Wiederholung aus dem Programm zu quittieren.









Zwei um die Dreißig (Remscheider General-Anzeiger)

Chansons aus der Seele geschüttelt


"Neue Bühne" mit Tucholsky-Abend

Von Elisabeth Nowak


Wenn Lottchen im Kino ihre Klappe nicht halten kann und Petronella besungen wird, geht es nicht um irgendwelche Frauen, sondern um die kabarettistischen Figuren von Kurt Tucholsky. Mit ihrem neuen Programm "Zwei um die Dreißig" hat sich die Neue Bühne Remscheid zum ersten Mal an ein Soloprojekt gewagt und gewonnen. Stephanie Hoffmann verstand es, das Publikum im fast ausverkauften Saal der Klosterkirche in ihren Bann zu ziehen. Mit kräftigem Stimmklang vertrat sie Tucholskys "Lottchen" und überzeugte mit ausdrucksstarker Mimik. Die stilvoll aufgebaute Bühne im 30er-Jahre-Look ließ die Zuschauer vollends in die Welt des damaligen Gesellschaftskritikers eintauchen.

Daß die Stücke durchaus aktuell sind, zeigte die Auswahl der Themen, bei denen es um Karriere, die geschiedene Frau und die typischen Eigenschaften der Männer ging. Dabei verfiel Hoffmann nie in die Verlegenheit, ihre auswendig gelernten Texte trocken vorzutragen, sondern rezitierte sie leidenschaftlich und lebendig. Mit Leib und Seele ließ Hoffmann leichten, aber scharfsinnigen Humor aufblühen. Philipp Reinshagen, der zu Beginn mit schauspielerischem Können den alltäglichen Gedankenirrsinn des "Mann im Spiegel" sprach, begleitete das Programm hervorragend mit meisterhaften Melodien auf dem Flügel. Aufgelockert mit rhythmischem Schwung wurden die einzelnen Stücke durch den A-Cappella-Chor "Bass & Besser" mit Stephan Voß, Patrick Kiesecker, Thomas Gerding und Jan Henrik Thiemann, der mit trockenem Humor auch die Moderation übernahm. Fast schade, daß der Chor so wenig zum Einsatz kam, vermutete man doch viel mehr als das Dargebotene.


Dafür wirkte Thiemanns bissiger Witz spontan und erfrischend. Selbst Zurufe aus dem Publikum konnte Thiemann spielend in seine Moderation einbauen. Ein gelungener Abend mit einer spritzigen Literaturmischung, frechem Witz und gekonnter Darstellung. Die Textlücke in der Zugabe wurde von Hoffmann charmant überbrückt. Mit "standing ovations" wurde die vorzeigbare Leistung der Darsteller belohnt.




Stalking (Remscheider General-Anzeiger)

Das Kribbeln kommt nur langsam*


"Neue Bühne" mit Uraufführung von "Stalking"

Von Daniel Juhr   


"Schluß ist Schluß", sagt sich Stephanie (Stephanie Hoffmann). Das macht sie nicht nur sich selbst unmißverständlich klar, sondern auch Philipp (Philipp Reinshagen). Der sieht das aber absolut nicht so. Und will die längst verdörrte Beziehung am Leben erhalten. Erst bettelnd. Dann fordernd. Schließlich mit nackter Gewalt.


"Stalking" nennt sich das Phänomen, und so heißt auch Rainer Lewandowskis Theaterstück. Die Neue Bühne Remscheid präsentierte es am Donnerstagabend im Westdeutschen Tourneetheater. Als Welturaufführung. Als nach gut 80 Minuten der Schlußapplaus beginnt, wirken die beiden Hauptdarsteller und ihr Regisseur Klaus-G. Hendl erschöpft und erleichtert zugleich. Er kann stolz sein auf seine beiden Schauspieler: Sie legten über weite Strecken eine Tour de Force hin. Und schafften es so, eklatante Schwächen des Stückes teilweise zu verdecken. Dieses nämlich erscheint oft nicht so ausgereift wie seine Inszenierung. Hendl übernahm die Vorlage eins zu eins. Vielleicht ein Fehler.


Denn trotz der Kürze wirkt das Zwei-Personen-ein-Raum-Stück oft zu lang. 40 Minuten braucht es, ehe die Spannung wirklich ein Kribbeln auslöst. Vorher passiert nicht viel: Der Geschaßte bittet und bettelt, bringt Blumen mit und Geschenke, wird immer wieder abgewiesen. Während man Stephanie Hoffmann die (noch) resolute Frau auf frischen Solopfaden abkauft, wirkt Philipp Reinshagen hier noch etwas gehemmt. Es scheint, als warte er nur darauf, endlich böse sein zu dürfen.


Das darf er schließlich auch: Er wird fordernd, terrorisiert Steffi übers Telefon, vergiftet ihr Essen, bricht nachts bei ihr ein und legt ihr eine Gummipuppe ins Bett - wobei die Frage, wo sie in dieser Zeit verweilt, nie beantwortet wird. Willkommen in der Welt des Unlogischen. In dieser läßt Lewandowski die Charaktere auch noch verweilen: Warum verläßt Steffi die unsichere Wohnung nicht einfach? Warum schaltet sie die Polizei nicht ein, als Philipp sie plötzlich überfällt, bedroht und fesselt? Warum besteht die anfangs so Selbstbewußte nun nur noch aus Angst und zeigt keinerlei Gegenwehr?


Es ist Stephanie Hoffmann (die die nun von Panik Gezeichnete mit überzeugender Intensität verkörpert) und Philipp Reinshagen (dessen am Ende diabolisches Spiel seine Anfangsschwächen vergessen macht) zu verdanken, daß doch noch die Spannung siegt. Zwar wirkt auch das Finale zu lang, wird der dramaturgische Bogen hier und da überspannt - aber es fesselt trotzdem.

Das perfekte Paar (Remscheider General-Anzeiger)

Getrennt wohnen, gemeinsam lieben


Rundum gelungene Premiere: Die "Neue Bühne Remscheid" bot mit der Komödie "Das perfekte Paar" beste Unterhaltung.

Von Sabine Interthal   


Männer: Sie grunzen nachts, achten im Bad wenig auf Hygiene und unterteilen ihre Klamotten in dreckig - und dreckig, aber noch tragbar. Da sind Frauen doch ganz anders gestrickt. Kein Wunder also, daß es eine perfekte Verbindung zwischen Mann und Frau nicht geben kann, die perfekte Beziehung ein Mythos bleibt. Oder doch nicht?


Das Amateurensemble der "Neuen Bühne Remscheid" hatte am Donnerstagabend zur Welturaufführung der Komödie "Das perfekte Paar" von Jürgen Baumgarten in die Remscheider Klosterkirche eingeladen und bot zwei Stunden lang beste Unterhaltung. Nicht allzu tiefgründig, aber charmant und gekonnt setzten sie das Stück unter der Regie von Klaus-G. Hendl in Szene und zeigten, was passiert, wenn zwei Liebende vom Alltag eingeholt werden.


Alltag, das heißt in einer Beziehung auch, Kompromisse einzugehen, aber dazu sind Angela (Silke Gross) und Hubert (Klaus-G. Hendl) nicht unbedingt bereit. Sie sind der Meinung, daß getrennte Wohnungen einfach praktischer wären. Getrennt wohnen und vereint lieben soll zukünftig ihre Devise heißen.


Viel Spaß am Spiel

Doch Angelas Mutter (Christel Giesen, rechts und unten) sorgt dafür, daß diese neue Regelung nicht in die Tat umgesetzt werden kann. Heimlich hat sie "ihre Kinder" zum Wettbewerb "Das perfekte Paar" angemeldet, und schon steht der Reporter vor der Tür, der das Leben der beiden dokumentieren will.


Den Amateurschauspielern, allen voran die theatererfahrene Christel Giesen, die immer wieder Szenenapplaus bekam, sah man den Spaß am Spiel förmlich an. Sie rissen das Publikum in der Klosterkirche mit, nachdem sie sich anfangs etwas warmspielen mußten.
 
Ob Frederik Boshold (oben rechts) als Claudio, der alles damit entschuldigt, daß er ein halber Italiener ist und jeden beschwatzen kann, die männermordende Fanny, wunderbar dargestellt von Carla Heinen (unten rechts), die um gute Ratschläge nie verlegene Barbara (Marion Niemeyer, unten links) oder der miesepetrige Reporter, den Sebastian Stein (unten rechts) herrlich komisch spielte - es war eine absolut gelungene Premiere. Nicht zuletzt deshalb, weil die beiden Protagonisten (unten Mitte) gut aufeinander eingespielt waren und die Komödie nie zur Klamotte wurde.


  

Das perfekte Paar (Bergische Morgenpost)

"Das perfekte Paar" zumindest nach außen mimten Klaus-G. Hendl als Hubert und Silke Gross als Angela in dem gleichnamigen Stück von Jürgen Baumgarten. Am Donnerstag feierte die Neue Bühne in der Klosterkirche Premiere.


Von Stefanie Bona   


Sie klaubt keine schmutzigen Socken vom Boden, kratzt keine Zahnpastareste aus dem Waschbecken und hat auch mit herumfliegenden Barthaaren nichts zu schaffen. Ihn hingegen kümmern weder das hundertste Paar Schuhe seiner Angebeteten, noch stören ihn ungelöste Kleiderfragen oder die übertriebene Sammelleidenschaft der Frau seiner Träume. Das vollkommene Paar kennt keinen Beziehungsstreß und ist auch angegraut noch frisch verliebt wie am ersten Tag. Und wie erreichen Mann und Frau, die nach einer oft vertretenen Ansicht sowieso nicht zueinander passen, diesen Idealzustand? Indem sie sich aus dem Weg gehen.


Das finden zumindest die Ensemblemitglieder der Neuen Bühne Remscheid, die am Donnerstagabend mit der Komödie "Das perfekte Paar" von Jürgen Baumgarten eine gelungene Premiere feierten. In der gut besuchten Klosterkirche hatte das Publikum reichlich Gelegenheit, über Partnerschaftsprobleme und Geschlechterkampf zu sinnieren. Und sich dabei köstlich zu unterhalten.


Karrierefrau Angela (Silke Gross) und ihr Partner Hubert (Klaus-G. Hendl) wollen ihre Liebe lebendig erhalten, indem sie sich vom gemeinsamen Alltag entledigen und künftig in getrennten Wohnungen leben. Doch just als Hubert die Koffer packt, schneit die neueste "Hella" ins Haus. In der Frauenzeitschrift findet sich das Paar unverhofft als Teilnehmer eines Wettbewerbs um das perfekte Paar wieder.

Reporter als Logiergast

Als Entscheidungshilfe schickt das Blatt den Liebenden einen Reporter auf den Hals, der als Logiergast dem Zusammenleben der Bewerber Tag und Nacht auf den Zahn fühlt. Doch sind die Partner dem ausgeschriebenen Preisgeld ganz und gar nicht abgeneigt, lassen sich mitsamt ihrer nervenden Umgebung auf das Schauspiel ein und schlittern
so um Haaresbreite an der Zerrüttung der Beziehung vorbei.


Bis zur letzten Minute zeigte das Amateurensemble unter der Regie von Klaus-G. Hendl konzentriert und mit ausgesprochener Spielfreude eine schwungvolle Aufführung. Sebastian Stein hatte als Mann von der Zeitung die Dynamik einer Bahnschranke und somit die Lacher auf seiner Seite. Als Italo-Lover bewies Frederik Boshold reichlich Sinn für Situationskomik, und Marion Niemeyer war als Barbara der ergebene, mit klugen Ratschlägen nicht geizende gute Geist des Hauses.
In der Rolle der männermordenden, mehrfach eheerprobten Hausfreundin brillierte Carla Heinen. Und wirklich herausragend komisch war auch Christel Giesen, die als trinkfeste Schwiegermutter wie Phoenix aus der Asche immer im falschen Moment auftauchte und so dem Geschehen manch unverhoffte Wendung gab.


Viel Applaus gab's für das "perfekte Paar", das mitsamt seinem schrillen Anhang für einen kurzweiligen Abend sorgte.

Alle Fotos: Sylvie Amamra


Hensel und Grätel verWirrten sich im Wald (WZ Wuppertal)

Das Ensemble "Lehrgut!" spielt die Märchenkomödie "Hensel und Grätel" in der Färberei.


Von Minda Stratmann   


Ein platinblonder, hüftenschwingender Transvestit, ihm jagt eine im Leopardenlook und auf rosafarbenen High-Heels umherstöckelnde Glatzköpfige hinterher, ganz ruhig dagegen blicken zwei "Men In Black" in die Menge. Nein, hier findet keine Faschingsfeier statt. Bei den schwarzgekleideten Herren handelt es sich um die Brüder Jakob und Wilhelm Grimm, das Blondchen ist niemand Geringeres als Rapunzel, das nun einen eigenen Frisör- und Kosmetikladen betreibt, aber dummerweise der bösen Stiefmutter "ihr Haar herabgelassen" hat.





Ein etwas anderer Märchenabend spielte sich jetzt in der Färberei mit dem Theaterstück "Hensel und Grätel verWirrten sich im Wald" ab. Was zu Beginn noch befremdlich erschien, da es so gar nichts mit dem vertrauten Märchenstoff zu tun hatte, entwickelte sich im Lauf der zwei Stunden zu einem vergnüglich-amüsanten Comedy-Abend. Situationskomik und Wortspielereien wie "Dilettunte", das die böse Stiefmutter kreischend dem völlig entsetzten Rapunzel hinterherbrüllt, sorgten dafür, daß die Schauspieler immer wieder Lachpausen für das Publikum einlegen mußten. Aber auch das vollkommen hysterische Schneewittchen, das von seinen prostataleidenden Zwergen ständig am Handy tyrannisiert wird, ließ viele der Zuschauer mit der ein- oder anderen Träne im Auge kämpfen


Es mag sein, daß sich die Brüder Grimm beim Anblick dieser Inszenierung im Grabe umdrehen würden, doch der begeisterte Applaus und die stehenden Ovationen, die der dreizehnköpfigen Lehrer-Amateurspielergruppe am Ende gebührten, würden sie eines Besseren belehren oder, um es mit den Schlußworten des "Lehrgut!"-Ensembles zu sagen: "Und wenn Sie nicht mehr leben wollen, so sterben Sie halt morgen!" All diejenigen, die weiterleben wollen, um "Rotkäppchen" einmal als pizzaaustragenden Punk und ähnliche Gestalten zu sehen, haben noch einmal (!) Gelegenheit.  Freitag, 3. 2. 2006, 20 Uhr, Schule am Nordpark, Wuppertal, Melanchthonstraße 25.